Donnerstag, 6. März 2008

Personalentwicklung für Lehrer

Nun hat mich das Thema doch stärker "gepackt" als gedacht. Ein Satz in einem Artikel über die Organisation "Teach First" erinnerte mich an eine Diskussion, die wir schon oft geführt haben. Der Satz lautet: "Die besten Lehrer sind diejenigen, die auch außerhalb der Schulen Erfahrungen gemacht haben." Nun kann ich mich an Lehrer erinnern, die zu meiner Zeit aushilfsweise Physikunterricht gegeben haben und dermaßen schlecht erklärten, dass der letzte Rest an Interesse bei mir und vielen anderen erlosch. Aber niemand sagt, dass Lehrer, die auch mal was anderes kennengelernt haben, automatisch gut sein müssen. Andererseits: Wer einmal eine Zeit lang vor Schulklassen gestanden hat, der kann sich lebhaft vorstellen, dass eine Tätigkeit in einer anderen Aufgabe nicht nur als Abwechslung, sondern als extreme Bereicherung erlebt werden müsste. Kann es sein, dass "Lehrer" eigentlich gar kein Beruf auf Lebenszeit sein sollte? Wäre es denkbar, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft, Ausbildung und Erfahrung vor Schülern stehen, dies aber nur in einer begrenzten Phase ihres Berufslebens?


Ich finde, die Idee hat was. Bei "Teach First" werden Absolventen in einem Crashkurs auf die Herausforderungen in schwierigen Klassen vorbereitet, und wie es scheint, findet ihr Wirken vor den Augen der englischen Schulaufsichtsbehörde begeistere Zustimmung - was offensichtlich etwas heißt. Dass ein solcher Crashkurs kein Pädagogik-Studium ersetzt, dürfte klar sein. Dass ein Pädagogikstudium noch lange keinen Lehrer "macht", aber auch. Und wenn ich unsere Erfahrungen bei der Junior Management School betrachte, dann erleben wir Dozenten, denen es gelingt, Schüler für eine Materie zu begeistern, die jeder andere als "trocken" bezeichnen würde. Und diese Dozenten sind im "richtigen" Leben keine Lehrer.

Rezension zum Thema:
Mission im Klassenzimmer, Handelsblatt vom 22.2.2008

Kommentare:

Juliane hat gesagt…

Sicherlich ist es von Vorteil, wenn man auch außerhalb der Schulen auf Berufserfahrungen zurückgreifen kann, wenn dies durch pädagogische Reflexionen unterfüttert ist - umso besser.
Begeisterung beim Publikum, also bei den Schülern zu erwecken, hat aber m.E. zu einem großen Teil mit der Lehrerpersöhnlichkeit an sich zu tun. Ein Mensch, der in sich ruht, humorvoll und schlagfertig ist, Autorität ausstrahlt, ohne Diktator zu sein, und der einfach begeistert von dem ist, was er vermittelt und dieses mit Haut und Haaren lebt, der ist überzeugend und kann mitreißen. Dazu gehört nebenbei auch noch die Gabe auf die Kinder und Jugendlichen einzugehen- also die richtige Portion Empathie.

In den Schulen sind solche Qualitäten viel wichtiger als in den Hochschulen, weil das studentische Publikum in der Entwicklung so weit ist, dass es still sitzen und im Zweifelsfalle vor sich hin dösen kann. Da fallen weder während des Oberseminars Milchzähne aus noch gibt es pubertäre Krisen im Unterricht.
Ich selbst erlebte einzig die Dozenten und Professoren, die nach dem 2. Staatsexamen an die Uni kamen, als gewandte Redner und Menschen, die sich und ihre Idee überzeugend verkaufen konnten. Das lag eben auch daran, dass nur diese Menschen in der Lage waren, einen emotionalen Kontaktkanal herzustellen.
Fazit: Nur ein Mensch, der seine Sache und andere Menschen liebt, kann ein guter Lehrer sein. Egal aus welcher Ecke er kommt. Und das schönste daran ist auch noch: Mit dem Alter hat das nichts zu tun.

Jakob hat gesagt…

Wenn ich vorher gewusst hätte, wie die Lehrer die Klausuren bewerten, dann hätte ich eventl. weniger Latein gelernt :D

Sehr selbst ;-) :
http://frogged.de/index.php?option=com_content&task=view&id=130&Itemid=2