Samstag, 28. Februar 2009

Achtung Umfrage

Wir werden zugeschüttet mit Umfrageergebnissen. Vor allem Beratungen platzieren sich gerne mit Untersuchungsergebnissen zu ihren Themen in der Fachpresse, stellen natürlich Optimierungsbedarf fest und haben das passende Angebot in der Schublade. Aber aufgepasst, man sollte sich genau anschauen, wonach sie in welcher Form gefragt haben. Watson Wyatt Heissmann haben sich die Benefits vorgeknöpft und über 8.500 Mitarbeiter befragt, welche ihnen denn besonders wichtig sind.

Sie haben dabei auch die Zustimmung oder Ablehnung folgender Aussage erhoben: "Die richtigen Benefits können den Ausschlag geben, mich für einen Arbeitgeber zu entscheiden."


Der Aussage stimmten 87% der Befragten zu. Sind wir beeindruckt? Ich wundere mich mehr über die Antworten derjenigen, die nicht zugestimmt haben. Ob sie die Frage nicht verstanden haben? Natürlich können Benefits den Ausschlag geben. Das Gleiche gilt für alle anderen Rahmenbedingungen. Mal angenommen, man hätte gefragt: "Der richtige Vorgesetzte kann den Ausschlag geben..." oder "Das richtige Betriebsklima... " oder "Die richtige Aufgabe..." oder "Der richtige Arbeitsplatz..." Kann irgendetwas davon nicht den Ausschlag geben?

Also welchen Wert hat ein solches Ergebnis? Vermutlich nur einen: Knackige Zahlen mit einer netten Grafik unterlegt sollen Eindruck schinden. Und hoffentlich hinterfragt niemand ihren Sinn oder Unsinn.

Rezension zum Thema:
Strategisch vergüten, Personal 11/2008

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

In der Tat sind die meisten empirischen Untersuchungen oft zweifelhafter Natur, Befragungen bilden da keine Ausnahme.

Leider gilt zu oft: weder werden dem Untersuchungsgegenstand angemessene Meß- oder Testtheoretische Überlegungen und Planungen als Grundlage berücksichtigt, Skalenniveaus werden nicht beachtet und Interpretationen werden all zu oft "kausal" getätigt, obwohl manche "Zusammenhangsmaße" keine gerichtete Interpretation zulassen. Diese eher nüchtern-trockene Betrachtung gilt im Besonderen für Beratungen: hier werden Untersuchungsergebnisse "pro domo" genützt, um das eigene "Service-Offering" besser in den Markt zu tragen.

Gut beraten ist, wer sich fragt: "Cui bono"? - Wem nützt es.

Also weiter mit kritischem Blick auf Statistiken schauen oder nur den selbst realisierten Untersuchungen trauen...

Thomas Hünerfauth hat gesagt…

Efrischend wenn jemand wie Sie entsprechende Zahlen gegen den Kamm büsten kann und dies auch tut. Als Psychologen sind wir dazu einmal auch ausgebildet worden, auch wenn das viele leider wieder oft vergessen haben.
In der kognitiven Verhaltenstherapie versuche ich das jeden Tag einzelnen Patienten beizubringen. Aber ich würde gerne damit wieder auch ein breiteres Publikum ansprechen, zumal ich auch Wirtschaftspsycholgie studiert habe und schon Jahre als Coach und Berater für kleinere Unternehmen tätig bin.
Aber ich befürchte, dass in der Krise mal wieder mehr Gurus gefragt sind als rationale Aufklärung. Mich würde interessieren, wie Sie das sehen und welche Prognosen Sie wagen würden.
Meine persönliche ist leider eher düster. Und dennoch werde ich nicht müde "aufklärerisch" tätig zu sein.

Dipl.-Psych. Thomas Hünerfauth