Donnerstag, 25. Februar 2010

Mitarbeiterbefragungen und die Folgen

Nein, diesen Beitrag hätte ich vermutlich nicht besprochen, wenn darin nicht dieser herrliche Tippfehler gewesen wäre. "Nach einer Mitarbeiterumfrage sind Folgemaßnahmen unterlässlich."

Die Inhalte des Beitrags sind schnell beschrieben: Ein Unternehmen lässt sich von Beratern eine Mitarbeiterbefragung stricken, nachdem man vor Jahren schon einmal die Mitarbeiter befragt hatte. Die Ergebnisse werden ausgewertet, in Präsentationen und eine Broschüre gepackt und kommuniziert. Und dann folgt der oben zitierte Satz. Zu dumm nur, dass dann weder etwas über die getroffenen Maßnahmen auftaucht noch etwas darüber, was sich zwischen den beiden Umfragen verändert hat.

An dieser Stelle kann ich nicht anders als einmal die Frage zu stellen, nach welchen Kriterien so manche Fachredaktion eigentlich die Beiträge auswählt? Zum Thema "Mitarbeiterbefragung" dürfte so ziemlich alles publiziert worden sein, was man dazu schreiben kann. Dieser Beitrag hebt hervor, dass ein Unternehmen in schwierigen Zeiten diese Anstrengungen unternommen hat, weil gerade dann es so wichtig ist zu erfahren, wie es den Mitarbeitern geht. Wenn das die Kernbotschaft ist - warum schickt der Redakteur das Manuskript nicht zurück und bittet darum, doch einmal zu beschreiben, was es dem Unternehmen denn letztlich gebracht hat?

Klar ist, dass es einiges gekostet hat. Und auch hier ein wunderschöner Satz: Die Kosten für die Folgemaßnahmen "übersteigen oft die eigentlichen Umfragekosten." Oft? Vermutlich steckt hier eine Menge Wahrheit drin: Ebenso oft geben Unternehmen viel Geld für die Umfrage aus und haben anschließend keinen Etat für die Folgemaßnahmen. Weil diese eben doch "unterlässlich" sind?

Rezension zum Thema:
Leistungsbereitschaft sichern, Personalwirtschaft 12/2009

Kommentare:

Andreas Reisenbauer hat gesagt…

Mitarbeiterbefragungen sind tatsächlich oft Alibiaktionen. Zielführender ist es, wenn die Führungskräfte ihr Ohr bei den Sorgen und Nöten der Mitarbeiter haben. Dann wissen die Vorgesetzten, wo den Mitarbeitern der Schuh drückt und können etwaige Folgemaßnahmen (Schulungen, Coaching etc.) einleiten. Und außerdem ist es günstiger... ;-)

Christian Has hat gesagt…

Es mag oftmals so sein, dass Mitarbeiterumfragen sich als Alibiaktionen darstellen. Es soll aber nicht als (richtig eingesetzt) passables Instrument zur Standortbestimmung unterschätzt werden. Selbstverständlich sollte das Ohr der Führungskräfte bei den Mitarbeitern sein - aber wie steht es denn tatsächlich um das Verhältnis der Führungskräfte zu deren Mitarbeitern? Nachzulesen in der letzten Umfrage. :-) Beste Grüße

Johannes hat gesagt…

Die Frage ist dann ja, wer etwas von dieser Standortbestimmung hat. Die Geschäftsleitung könnte ein Interesse haben, weil sie eben je nach Größe des Unternehmens nicht mehr überall die Stimmung mitbekommt und den Eindruck hat, dass das mit dem Ohr der Führungskräfte nicht so toll funktioniert.
Aber nach meiner Erfahrung kommt der Anstoß meist von anderen Unternehmensbereichen, z.B. der HR-Funktion. Und die will dann, dass die da oben endlich mal mitbekommen, wie die Stimmung ist. Diese "Weckfunktion" funktioniert meines Wissens nach nur selten.
Ausnahmen mögen die Regel bestätigen :-)

Klaus hat gesagt…

Ein wirklich herrlicher Tippfehler.
In der Tat werden wohl viele Arbeitnehmer im Laufe ihres Arbeitslebens mit einer solchen Mitarbeiterbefragung "beglückt". Mit etwas Glück erfährt man zumindest die Ergebnisse und nur mit viel mehr Glück werden spürbare Konsequenzen abgeleitet.
Aber zu Ihrer eigentlichen Botschaft an die Redakteure: Solche weniger inhaltsreichen Beiträge finde ich leider immer öfter zu allen möglichen Themen.

Martin hat gesagt…

Ich verstehe nur nicht, warum Arbeitgeber sich die Mühe einer Mitarbeiterbefragung machen, wenn diese sowieso nicht mit dem Ziel gemacht sind, danach etwas zu verändern.
Schließlich kostet so etwas auch Geld, was so schlicht und einfach verbrannt wird ...