Dienstag, 23. Februar 2010

Alles ist Talentmanagement

Ich habe keine Ahnung, wer diesen Begriff in die Welt gesetzt hat. Früher gab es mal so etwas wie ein Personalwesen, später ein Personalmanagement und irgendwann ein HR-Management. Und irgendwie konnte sich jeder darunter etwas vorstellen. Dann tauchte der unselige "War for Talents" auf, alle Welt stürzte sich auf die Besten der Besten, die "High Potentials", am besten erwischte man sie noch auf der Schulbank. Und natürlich müssen diese "Talente" auch "gemanagt" werden.

Aber was bedeutet das eigentlich? Förderung - klar doch. Aber vorher müssen sie identifiziert werden, bewertet und für gut befunden, mit interessanten Aufgaben betraut, in Projekte gesteckt und auf Kaminabenden mit dem Top-Management zusammengebracht werden. Aber halt: Zuerst müssen sie ja überhaupt ins Unternehmen kommen. Also gehört natürlich auch das "Recruitment" zu einem ordentlichen Talentmanagement. Und wo wir schon mal dabei sind: Damit die Talente auf unser Unternehmen aufmerksam werden, brauchen wir auch ein Employer Branding (wer spricht denn heute noch vom Personalmarketing?).

Damit unsere Talente die erhoffte Leistung bringen können, brauchen sie Ziele, also gehört auch das Thema "Zielvereinbarungen" zum Talentmanagement, ebenso wie das "Performance Management" und die "Anreizsysteme" - Leistung muss schließlich bewertet und belohnt werden. Habe ich was vergessen?

Vielleicht ein vernünftiges "Trennungsmanagement"? Für den Fall, dass sich herausstellt, dass unser Talent gar keines ist oder der "High Potenial" kein Talent hat. Aber dann fällt er ja nicht mehr unter den Begriff "Talent" - womit zumindest die Kündigung nicht mehr unter das Talentmanagement fällt. Ein letzter Rest, der dem guten alten Personalwesen zu tun bleibt...

Rezensionen zum Thema:
Von Einzelteilen zum Ganzen / Talent in Zahlen fassen / Globales Talentmanagement / Prozesse optimieren, Personalmagazin 1/2010

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Alter Wein in neuen Schläuchen"?!

Natürlich ist es bedauerlich, wenn sich die Personalverantwortlichen in neue Begrifflichkeiten stürzen, aber wenig Neues an Inhalten zu bieten haben. Und immer gilt:
Keine Intervention ohne Diagnose!

Vielleicht können wir das "Personalwesen" entrümpeln und die Dinge alsbald wieder so benennen, dass sie verständlich sind und kein "Etikettenschwindel" dahinter zu vermuten ist. Und dann daran arbeiten, dass es besser wird. das meint u.a. Personal(bedarfs)planung, Personalmarketing, Personalsuche, Personalentwicklung, Personalverwaltung etc. - das wäre doch toll und daher gebe ich Ihnen, Herr Thönneßen, wieder einmal Recht...

Johannes hat gesagt…

Immer schön, Recht zu bekommen :-) Interessant finde ich in der Tat, dass alles mit dem Begriff "Management" verknüpft wird. Es suggeriert, dass man alles "managen" kann, wenn man nur die richtige Methode hat. Und "Talent" zu "managen" klingt schon schräg, oder?