Montag, 23. November 2009

Wettbewerb im Öffentlichen Dienst?

Wie macht man aus einem Amt, das mehr mit sich selbst als mit den Bürgern beschäftigt ist, ein leistungsstarkes "Unternehmen"? Durch Wettbewerb, dachten sich die Berater von KMPG und die Bertelsmann Stiftung und initiierten eine "Amtsmeisterschaft". Kennzahlen zu finden ist ja kein Problem, man nimmt die durchschnittliche Durchlaufzeit eines Vorgangs. Hat man diese Zahlen erhoben, lässt sich ein Ranking erstellen, bei dem die schnellsten Amtstuben die vorderen Plätze belegen. Und dann?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Man veröffentlicht die Rangliste intern und stiftet auf diese Weise einen Austausch unter den betroffenen Verwaltungen an. Dieser soll dazu führen, voneinander zu lernen. Gute Idee. Nur ein echter Wettbewerb entsteht so noch nicht, argumentieren die Kritiker, da werden sich etliche gemütlich zurücklehnen und weiter wie gehabt agieren.

Also bleibt Möglichkeit 2: Man geht mit der Rangliste nach draußen, um so Druck durch Öffentlichkeit zu erzeugen. Auch das ist wohl kaum ein echter Wettbewerb, wer kann sich schon sein Finanzamt aussuchen. Aber dennoch: Auf diese Weise wird sicher deutlich mehr Konkurrenz geschürt: Guck mal, wie lahm die anderen sind! Beim nächsten Mal stehen wir aber ganz oben! Doch ach, auch hier melden sich Kritiker: Ein solches Ranking führt zu Manipulationen, einige Zahlen werden kaum freiwillig herausgerückt. Oder sie werden geschönt, da ist der Mensch erfinderisch.

Nebenwirkungen

So ist das mit solchen "Managementmethoden": Mit jeder Wirkung fängt man sich auch eine Nebenwirkung ein. Und wie immer sind dann die Führungskräfte gefordert. Im ersten Fall müssen sie die Lernprozesse einfordern und unterstützen. Im zweiten Fall müssen sie Manipulationen und Tricksereien aufspüren und verhindern. Welches ist die dankbarere Aufgabe?

Stiftung Bürgertest

Übringens: Würde "echter Wettbewerb" wirklich helfen? Bei der sich der Bürger aussuchen kann, bei wem er seinen Bauantrag stellt oder seinen Reisepass beantragt? Wenn das in der freien Wirtschaft so prima funkionieren würde - wozu brauchen wir dann eine Stiftung Warentest? Genau eine solche Instanz könnte die Alternative auch für die Ämter sein: Die Stiftung Bürgertest. Fordert zumindest einer der Experten.

Rezension zum Thema:
Selten so gelocht, Financial Times Deutschland 28.10.2009

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dass solche "Effizienztests" Humbug sind, ist ja eigentlich für jeden der ein bisschen was von der Sache vesteht, offenbar. Um Effizienzerhöhung geht es ja eigentlich auch gar nicht; da müsste man sich ja zuerst die Frage stellen, was überhaupt bewirkt werden soll und ob die Geschwindigkeit der Bearbeitung dafür ein sinnvolles Maß ist, ob Effzienz überhaupt ein sinnvolles Maß ist ...
Es geht doch nur darum, die gängigen Vorurteile gegen Behörden und Ämter zu instrumentalisieren, um Ämter a) für Beratungsfirmen als Kunden zu gewinnen (wie praktisch, dass solche zum Bertelsmann-Konzern gehören); und b) PPP- oder gleich ganz private Firmen die Amtsaufgaben übernehmen zu lassen und so den Bürgerauftrag sowie die Verpflichtung dem Bürger gegenüber in einen Kundenservice und damit Geldverdienen zu verwandeln. Effizienz hört sich so wunderbar an, das wollen doch alle. Da vergisst man schon mal die Frage, wofür.
Und im Gegensatz zu Ihnen gibt viele, die in Wirtschaftsstrukturen die einzig wahre Heilslehre sehen und am liebsten den Staat als Wirtschaftsunternehmen organisieren würden; denn Profit ist ja nichts Schlechtes, vor allem wenn er in den eigenen Taschen landet. Da vergisst man schon mal die Frage, wofür.

Anonym hat gesagt…

Offen gestanden ist mir Wettbewerb bei meinem Bauantrag oder meiner Steuererklärung suspekt. Dann wäre das beste Finanzamt das, wo ich am wenigsten bezahle ...
Da ist mir meine Finanzbeamtin lieber, die mich freundlich und sachkundig berät (tatsächlich!).
Und ob privatwirschaftliche Unternehmen immer besser sind als die öffentliche Hand, wage ich beim Anblick mancher "schwarzer Sheriffs" in Einkaufszentren etc. auch zu bezweifeln. Hoheitliche Aufgaben sollten hoheitlich bleiben.