Dienstag, 18. November 2008

Was haben Zielvereinbarungen mit der eigentlichen Arbeit zu tun?

Ein Satz aus einem Beitrag über Zielvereinbarungen bei der Polizei (eine lustige Idee!) ließ mich aufmerken: "Besondere Probleme bereitet die Differenzierung zwischen der Zielarbeit und der täglichen Polizeiarbeit."
Das ist mir immer wieder begegnet. Offensichtlich gibt die "eigentliche Arbeit", das wofür man eingestellt und bezahlt wird, und es gibt die Ziele - der Begriff "Zielarbeit" war mir bisher neu. Erstere, die tägliche Arbeit, dient also nicht der Zielerreichung. Kann das sein?
Natürlich nicht, völliger Unsinn. Was man schon daran sieht, dass doch die Ziele immer aus den übergeordneten Unternehmenszielen abgeleitet werden sollen. Sagen die Zielstrategen.

Also: Da hat das Unternehmen als Ziel, einen bestimmten Gewinn zu erwirtschaften, ein Produkt schneller als andere auf den Markt zu bringen usw. usw. Wie soll das anders zu schaffen sein als mit der täglichen Arbeit? Doch wenn man nun daran geht, die Ziele auf die unteren Ebenen "herunterzubrechen" (warum muss ich dabei immer an "übergeben" denken?), dann findet man plötzlich bei dem Mitarbeiter in der Produktion oder dem Polizisten auf seiner Dienststelle nur noch "alltägliche Arbeit". Was auch sonst? Damit sorgt er schließlich dafür, dass die übergeordneten Ziele erreicht werden.

Das wäre ja völlig in Ordnung, nur: Was schreibt man dann in die netten Formulare zur Vereinbarung von Zielen? Dinge wie: "Erwischt 10 Taschendiebe im Jahr"?

Erinnert mich an das Vorschlagswesen, das auch immer wieder hervorgekramt wird. Man soll seine Arbeit machen und "daneben" noch Verbesserungsvorschläge einreichen. Nicht als Teil seiner eigentlichen Arbeit, sondern Mitdenken als "freiwillige Zusatzleistung".

Da zeigt sich der ganze Unsinn von einst so gut gemeinten Managementmodellen. Ziele um der Ziele willen vereinbaren ist genauso hirnrissig wie Verbesserungsvorschläge zu machen, um bestimmte Quoten zu erfüllen. Auf diese Weise werden Instrumente um der Instrumente willen bedient und erzeugen nichts als Frust.

Rezension zum Thema:
Ziel verfehlt, Personal 9/2008

1 Kommentar:

Kurt F. hat gesagt…

Lieber Herr Thönneßen,

obwohl ich grundsätzlich Ihre Auffassung über den - meist "mainstreamartigen" - Einsatz gängiger Personalisntrumente teile, meine ich doch, dass so oberflächlich vorgebrachte Kritik (... 10 Taschendiebe...) leider verpufft.

Welcher "Zielnehmer" lässt sich denn so ein Ziel in seine ZV schreiben? Die Menschen haben sehr schnell gelernt, mit den Instrumenten umzugehen und achten peinlich genau darauf, dass es nur zur Vereinbarung erreichbarer Ziele kommt und dass es auf dem Weg dorthin Möglichkeiten gibt (Zwischengespräch), aktuelle Entwicklungen, die das Ziel nicht mehr oder nicht wie vorgesehen erreichen lassen, nachzujustieren.

Aber auch der "Zielgeber" hat sehr schnell gelernt: Wenn man die Mitarbeiter nicht mehr mit der Zielerreichung über den Tisch ziehen kann, wird einfach die "Möhre" (Zielboni) unverbindlich und aus 100% Zielerreichung werden plötzlich nur noch 70% Auszahlung der vereinbarten Zielboni.