Montag, 24. Mai 2010

Korrekturen outsourcen

Das ist doch mal wirklich innovativ. Amerikanische Professoren schaffen die Flut an Essays, die sie zu korrigieren und zu bewerten haben. Also sind sie auf die Idee verfallen, sich in Asien nach fähigen Menschen umzuschauen, die ihnen diese Arbeit abnehmen. In Malaysia, Singapur und Indien sind sie fündig geworden. Also gehen die Klausuren jetzt online in diese Länder, wo fähige "Assistenten" die Texte bearbeiten und korrigiert zurücksenden. Soll aber nicht ganz billig sein, so dass sich schon Stimmen melden, die der Meinung sind, für das Geld solle man lieber noch weitere Professoren einstellen.

Das Modell ist doch vielleicht ausbaubar. Wie wäre es damit, unsere Lehrer zu entlasten? Sie könnten sich dann in aller Ruhe auf den Unterricht vorbereiten, während in Asien fleißig korrigiert wird. Architekten können dort ihre Entwürfe zeichnen lassen, Handwerker ihre Angebote erstellen, Ärzte ihre Rezepte ausstellen, Juristen ihre Gutachten verfassen, Notare ihre Verträge anfertigen, Schüler ihre Hausaufgaben...
Mit etwas Fantasie lassen sich bestimmt noch viele weitere Tätigkeiten auslagern. Aber wer weiß, vielleicht gibt es all das schon...

Rezension zum Thema:
Assis aus Asien, Financial Times Deutschland 16.4.2010

Kommentare:

Christiane Windhausen hat gesagt…

Ich supervidiere seit vielen Jahren immer wieder auch mal Lehrer. Sie alle klagen über die Zeit, die sie für Korrekturen aufwenden müssen.
Ich habe ihnen immer wieder vorgeschlagen, die Korrekturarbeiten an Studenten oder andere Hilfskräfte abzugeben. Und habe dabei staunend festgestellt, dass viele von ihnen gerne klagen, aber nur wenige von ihnen gerne loslassen.

Am Ende sind es dann doch wohl immer die Schwachstellen der eigenen Persönlichkeitsstruktur, über die wir stolpern. Es sei denn wir wählen ganz bewußt einen Weg der Identitäts-Entwicklung, der uns uns mehr Ressourcen schenkt, als wir 'traditionell' erhalten haben. .

Johannes hat gesagt…

Hallo Frau Windhausen,
ich hatte das eigentlich ironisch gemeint, aber bei genauerem Nachdenken - warum eigentlich nicht? Zumindest dort, wo es recht klare Kriterien für die Bewertung von Arbeiten gibt.
Man könnte ja noch einen Schritt weiterdenken: "Externe Korrektoren" sind neutral und vielleicht sogar fairer. Aber so wie es beschreiben, ist es wohl eher utopisch.

Herzliche Grüße
Johannes Thönneßen