Sonntag, 11. Mai 2008

Die Wissenschaft hat festgestellt

Wussten Sie, dass es zwischen Körpergröße und Gehalt einen statistischen Zusammenhang gibt? 10cm bringen 2.000 Euro mehr Jahresgehalt. Manager, die moderat trinken, verdienen mehr als jene, die ganz auf Alkohol verzichten. Ein markantes Kinn steigert die Chance auf eine Karriere.

Ganz aufregend ist diese Erkenntnis: Manager, deren Frauen sich um den Haushalt kümmern, verdienen mehr als die verheirateten Männer mit berufstätigen Frauen. Hey, was man daraus alles machen kann. Genauer angeschaut, relativiert sich die Aussage aber: 59% der verheirateten Männer verdienen mehr, wenn die Frauen nicht arbeiten. Die 9% haben offensichtlich Vorgesetzte, die wahre Kerle schätzen, deren Frauen sich um Heim und Herd kümmern. Ohne Worte.

Und schließlich: Manager, die sich wie Diktatoren aufführen, werden rascher befördert. Sie haben wahrscheinlich die gleichen Chefs. Woher diese Weisheiten stammen? Aus der Wirtschaftswoche 17/2008, die allen Ernstes behauptet, das seien "wissenschaftliche Erkenntnisse".

Dazu passt doch auch diese Meldung aus der Financial Times Deutschland vom 15.4.2008: Da haben Wissenschaftler den Speicheln von sage und schreibe 17 Londoner Finanzhändlern an acht Tagen (!) untersucht, und zwar morgens und abends. Sie stellten fest, dass die "Börsianer mit hohen morgendlichen Testosteronwerten oft mehr Geld verdienten als andere." Irre, oder? Empfehlung der Autoren: Theorien zur Entscheidungsfindung im Finanzhandel sollten die hormonellen Veränderungen mit berücksichtigen.

Wie wäre es damit, einmal den Marmeladenkonsum zum Frühstück von fünf Vorstandsvorsitzenden mit dem Börsenwert ihres Unternehmens zu vergleichen? Vielleicht sind die Werte von Orangenmarmelade futternden (britischen) CEOs ja deutlich besser als diejenigen von Pflaumenmus konsumierenden (deutschen) Vorstandsvorsitzenden?

Rezension zum Thema:
So sieht Erfolg aus, Wirtschaftswoche 17/2008

Kommentare:

Bettina Stackelberg hat gesagt…

Oh Himmel - welch Blüten die Wissenschaft doch so manchmal treibt! Und was hat Mensch jetzt davon? Die Kleinen sind frustriert, weil sie nie so richtig Kohle haben werden - die Großen sind auch frustriert, weil sie doch mit ihren 1,90 m eigentlich schon vieeeel mehr verdienen müssten. ;-) (Vielleicht ja ein gutes Argument für diese Herren bei der nächsten Gehaltsverhandlung: Hörense mal, Chef, so geht das nicht, schliesslich bin ich ja 1,90...)

Und noch ein Wort zu den Herren Autoren: Das mit der Marmelade ist natürlich ganz großer Quatsch (abgesehen davon, dass ich kaltgerührte Himbeermarmelade bevorzuge)! Es gibt doch ganz ganz sicher irgendwo eine wissenschaftliche Untersuchung mit der Erkenntnis, dass die wahrhaft Erfolgreichen morgens nur selbstgeschrotetes Müsli mit Sojakeimlingen und Dörrpflaumen essen und dazu Brennesseltee trinken, meinen Sie nicht!?
(hmm....ich sollt mal an meinen Frühstücksgewohnheiten arbeiten,*versonneninmeinenmilchkaffeeguck*)

Danke für das Grinsen am Morgen,
mit herzlichen Grüssen aus dem sonnigen Gauting
Bettina Stackelberg

Roland Kopp-Wichmann hat gesagt…

Natürlich muss man nur genügend irrelevante Details zusammenwürfeln und irgendwann findet man dann auch einen statistisch relevanten Zusammenhang.
Aber dass Attraktivität ein wichtiger Einflussfaktor bei der Karriere ist, scheint mir schon besser bewiesen. Das hat ja auch damit zu tun, dass man zwischen verschiedenen Bewerbern für einen Posten, die alle ähnlich geeignet wären, rational ganz schwer sichentscheiden kann. Da kommt dann eben das stammesgeschichtlich ältere Bauchgefühl oder die Intuition zu Hilfe und die sagt einem dann: "Den/die nehmen wir!"
Auf welche Attraktivitätsmerkmale wir dabei Männern und Frauen achten, habe ich in diesem Blogartkel genauer beschrieben: http://tinyurl.com/2jkdzb
PS: Mit Ihrem Kinn, Herr Thönneßen, liegen Sie doch gut im Rennen. Oder messen Sie unter 178 cm? Dann würde es sich wieder aufheben :-)

Johannes Thönneßen hat gesagt…

Hallo Herr Kopp-Wichmann,

tja, bin 184cm und stelle (beruhigt?) fest, dass die Kombination mit dem Kinn dann wohl doch nicht reicht. Habe der Karriere inzwischen abgeschworen :-)