Donnerstag, 4. April 2013

Jammern

75 Prozent der Arbeitszeit verbringen Manager in Unternehmen mit der Vorbereitung, dem Besuch und der Leitung von Besprechungen. Das ist an sich ja kein Problem, denn Führung ist nun mal vor allem Kommunikation. Dumm nur, dass ein Großteil dieser Zeit alles andere als sinnvoll genutzt wird. Laut einer Studie, bei der über 400 Gruppen bei mehr als fünf Sitzungen begleitet und die Besprechungen aufgezeichnet wurden, wird dabei vor allem eins getan: Gejammert. Und zwar 16mal häufiger als dass über Lösungen bzw. die Umsetzung von Lösungen gesprochen wird.

Die Forscher stellten fest, dass Jammern ansteckend ist. Wenn ein Teilnehmer damit beginnt, schließen sich die anderen früher oder später an. Und es gibt einen mittleren Zusammenhang zum Unternehmenserfolg: Je mehr gejammert wird, desto schlechter die Innovationstätigkeit und der wirtschaftliche Erfolg (oder umgekehrt, das ist wie immer bei Statistik). Es gibt allerdings keinen Zusammenhang zur Persönlichkeitsstruktur der Beteiligten.

Was tun? Die Forscher empfehlen, von Standardbesprechungen Abstand zu nehmen, sondern nur dann Meetings einzuberufen, wenn konkrete Dinge zu besprechen sind. Außerdem sollte man hellhörig werden, wenn Sätze wie "Das geht nicht!" - "Das haben wir schon immer so gemacht!" oder "Das kostet zu viel!" fallen - solche Killersätze sollte man vermeiden.

Mmh, ein weiser Rat. Ob das funktioniert? Klingt so, als empfehle man Menschen, die erkältet sind und husten müssen, das Husten zu unterlassen. Okay, vielleicht etwas arg weit hergeholt. Aber ist nicht auch das Jammern ein Symptom? Eines, das offenbar sehr ansteckend ist? Wäre es dann nicht weiser, sich der Erkältung zu widmen?

Ich fürchte, so wie sich manche Krankheiten nicht ohne fremde Hilfe kurieren lassen, dürfte auch das Problem des Jammerns nur schwer aus eigener Kraft zu beseitigen sein. In diesem Fall würde ich eher empfehlen, jemanden hinzuzuziehen, der das Problem direkt anspricht und dem Team hilft, den Virus zu benennen und zu beseitigen. Was vermutlich umso schwieriger wird, je weiter er im Unternehmen verbreitet ist.
Quelle: Raus aus dem Jammertal, Harvard Business Manager 2/2013 S. 12-14

1 Kommentar:

Oliver Tacke hat gesagt…

Ich kann Ihrer Frage nach "Symptome verdecken vs. Krankheit ergründen" nur anschließen.

Mir stellt sich die Frage, ob es der Autorin nicht in den Sinn gekommen ist, dass sowohl Jammern als auch Unternehmenserfolg abhängige Variablen sein könnten. Ihr Henne-Ei-Verweis zu Beginn des Textes lässt vermuten, dass ihr die Korrelation beider Größen tatsächlich schon genügt.