Sonntag, 6. September 2009

Oberschlaue Berater

Ein Kommentar in der Financial Times Deutschland, der mich fassungslos macht. Da verraten uns Berater von der Boston Consulting Group, dass variable Vergütungen für Manager neu gestaltet werden müssen. Nein, das Instrument an sich stellen sie nicht in Frage, schließlich müssen wir ja die Besten in Deutschland halten, sie laufen uns ja weg, wenn wir ihnen keine Chance auf einen Millionenverdienst bieten.

Und dann kommen so tolle Tipps wie: Die Boni sollen sich an langfristigen Entwicklungen orientieren, an Kennzahlen, die tatsächlich von den Managern beeinflussbar sind und nicht von zufälligen konjunkturellen Entwicklungen abhängen und vor allem, dass es auch "negative Boni" geben muss. Das soll dann so funktionieren, dass die Boni in einer Bonusbank verwahrt werden und wenn es schlecht läuft, entsprechend gekürzt werden.

Nun bleiben wir doch mal einen Augenblick streng logisch. Also: Manager werden angestellt, sollen aber wie Unternehmer und Investoren das Risiko tragen? Wenn ich Unternehmer werden will, dann lasse ich mich doch nicht anstellen, oder? Dann werde ich Unternehmer. Soll heißen: Bezahlt Manager ordentlich, aber mit einem Festgehalt, wie sich das für Angestellte gehört.

Geht nicht, weil sie dann aus Deutschland ausreißen? Wenn das so ist, dann ist der Vorschlag mit dem "negativen Bonus" doch totaler Quark. Dann müsste das doch international eingeführt werden, sonst geht nach dieser Logik niemand zu einem (deutschen) Unternehmen, wenn woanders auf einen "Malus" verzichtet wird.

Und schließlich, was mir die Zornesröte ins Gesicht treibt: Berater, die sich strikt weigern, erfolgsabhängige Verträge abzuschließen, erzählen ihren Kunden was über erfolgsabhängige Vergütung und Beteiligung am Risiko. Oh Mann....

Rezension zum Thema:
Lohn für echte Leistung, Financial Times Deutschland, 14.7.2009

Kommentare:

Heiko van Eckert hat gesagt…

Wer sagt denn eigentlich, dass sich Berater strickt weigern erfolgsabhängige Verträge zu schließen. Wir von salegro (www.salegro.de) tun das regelmäßig.
Heiko van Eckert

Johannes hat gesagt…

Hallo Herr van Eckert,

tut mir leid, wollte Sie nicht ärgern. Klar gibt es Berater, die auch erfolgsabhängige Verträge abschließen.
Und herzlichen Dank für die Verlinkung von Ihrem Blog auf den Quittenbeitrag. :-)

Johannes Thönneßen