Donnerstag, 14. Februar 2008

Unternehmenswerte und eine Mission

Nochmal das Thema "Werte", diesmal aus der Sicht eines Urgesteins des Managements, Jack Welch. Der Mann beschreibt in der Wirtschaftswoche, dass erschreckend viele CEOs über gar keine explizit ausformulierte Mission und Werte verfügen, an denen sich alle Mitarbeiter orientieren können. So what, dachte ich beim Lesen. Papier ist geduldig, und wer will schon noch so hohle Sätze wie "Wir sind kundenorientiert" oder "Wir handeln im Einklang mit bestehenden Gesetzen" (kein Scherz, das habe ich schon in Hochglanzbroschüren gefunden!) lesen? Aber dann schreibt Welch, was er unter einem "Wert" versteht: "Schlechte Nachrichten so schnell wie möglich im Unternehmen verbreiten" oder "Niemals einen Leistungsträger verlieren". Das ist in der Tat etwas völlig anderes als die Worthülsen, die häufig als "Leitsätze" dienen. Er meint offensichtlich konkrete Handlungsanweisungen.

Ein recht interessanter und extrem pragmatischer Ansatz. Was geschieht normalerweise? Da setzt sich ein Führungskreis (oder noch schlimmer: Ein installierter Arbeitskreis) zusammen und einigt sich auf hehre Werte, die in jedem Unternehmen zu finden sind. Was dabei herauskommt, ist meist der kleinste gemeinsame Nenner. Wer mag schon wiedersprechen, wenn als Wert am Ende einer langen Sitzung so etwas wie "Kundenorientierung" steht. Und dann geht man zufrieden auseinander, statt mal konret zu werden und sich festzulegen. Wenn man es ernst meinte, müsste als nächster Schritt ein Satz formuliert werden: "Bei uns erhält jeder Kunde innerhalb von 24 Stunden eine Antwort." Spätestens dann wird es Proteste hageln: Vom Marketingleiter, vom Außendienstleiter, vom Callcenterleiter usw. Und wenn der Wert "Leistung" in Form von "Wir verlieren nie einen Leistungsträger" ausgedrückt würde, bekäm
der Personalleiter kalte Füße und mit ihm der Bereichsleiter, dem in der Vergangenheit die besten Leute weggelaufen sind.

Und die Mission?

Auch interessant und richtig: Wer eine Mission verkünden will, der sollte eine haben. Und nicht von einem Arbeitskreis entwerfen lassen. Das nämlich muss schief gehen. Der CEO sollte sich also hinsetzen und überlegen, wohin er mit dem Unternehmen will. Und das dann kommunizieren. Entweder bekommt er die notwendige Unterstützung, oder er hat seine Mission nicht verständlich gemacht, oder seine Mission taugt nicht - oder er hat die falschen Leute. Da wird schon verständlich, dass die meisten darauf verzichten, eine Mission zu formulieren, an der sie gemessen werden können.

Rezension zum Thema:
Klare Worte finden, Wirtschaftswoche 5/2008
Marken und Werte leben, Zeitschrift Führung + Organisation 6/2007

1 Kommentar:

Roland Kopp-Wichmann hat gesagt…

Der von Ihnen beschriebene Wert ist natürlich schon viel besser als die üblichen Kick-offs, wo dann der Vorstand die neuen Werte verkündigt.
Was mir an der von Ihnen beschriebenen Methode noch fehlt, ist die notwendige Präzisierung. Also Wert "Freiheit" (von was?) "Selbstbestimmung" (wohin?).
Hilfreich ist dabei aus meiner Erfahrung die abgewandelte "Wunderfrage" von Steve de Shazer:
"Angenommen, Sie könnten bei Ihrer Arbeit den Wert 'Freiheit" "Selbstbestimmung" erleben? Woran würden Sie das merken? Woran würden es Ihre Mitarbeiter merken? Woran würden es Ihre Kunden merken?